Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz

* 23-Jan-1378 in ?
+ 30-Dez-1436  in Heidelberg
Grabstätte: Heiliggeistkirche in Heidelberg

1. oo 15-Aug-1401 in Köln
BLANCA
Eltern: Heinrich IV., König von England aus dem Hause Lancaster und Maria, Tochter Humfrieds X. von Bohun, Earl of Hereford
* um 1382 in ?
+ 31-Mai-1409 in Hagenau
Grabstätte: St.-Aegidius-Kirche in Neustadt a. d. Hardt

2.. oo 30-Nov-1417 in Pignerol
MECHTHILD (Mathilde)
Eltern: Amadeus, Herzog von Savoyen und Fürst von Achaja, und Katharina, Tochter des Grafen Amadeus III. von Genf
* 1390? in?
+ 4-Mai-1438 in Gerniersheim
Grabstätte: Heiliggeistkirche in Heidelberg

Ludwig III. regiert in der Kurpfalz von 1410 bis 1436.

König Ruprecht, der dritte der Kurfürsten dieses Namens, hatte vor seinem Tod noch in Eile verordnet, daß sieben Männer seines sehr persönlichen Vertrauens, darunter der Fürstbischof von Speyer aus der Familie der Pfälzer Ritter von Helmstadt und der Ritter Hans von Hirschhorn, das Pfälzer Gebiet mit Ausnahme des Kurpräzipuums um Heidelberg, Alzey, Neustadt und Amberg unter seine überlebenden vier Söhne in einem Schiedsgericht teilen sollten. Ludwig III. erhielt als nachfolgender Kurfürst dieses unteilbare Gebiet und das 1378 an Ruprecht I. verpfändete Kaiserslautern, dann Germersheim, Breiten, Heidelsheim, Winzingen, Waldeck auf dem Hunsrück usw. Der Rechtsakt vom 3. Oktober 1410 wurde durch die allgemein verbreitete Auffassung von der Rechtsnotwendigkeit der Teilung des Eigentums bedingt, widersprach aber der Forderung der Goldenen Bulle in bezug auf die Kurfürstentümer und außerdem der Festlegung der Nachfolge durch die Erstgeburt 1395 durch Kurfürst Ruprecht II. Dieser hatte in dieser Konstitution die Gedanken Ruprechts I. von 1357 weitergeführt.

Von Ludwigs drei Brüdern erhielt Johann in der Oberpfalz Neumarkt und Neunburg vorm Wald. Da sein Sohn Christoph König von Dänemark, Schweden und Norwegen wurde, erreichte durch ihn die moderne Wittelsbacher Förderung der Städte auch den skandinavischen Bereich. Kopenhagen wurde durch Christoph zur Hauptstadt Dänemarks.

Ludwigs Bruder Stefan erhielt Simmern, Zweibrücken und Veldenz und begründete die heute noch bestehende Linie der Wittelsbacher.

Otto, der jüngste Bruder, erhielt Mosbach in der Gegend des Neckar, 42. Kilometer von Heidelberg entfernt. Ludwig schaltete Otto, der, 1387 geboren, fast zehn Jahre jünger als er war, mehr als einmal in seine Regierungsarbeit ein. Da Otto eine Schwester Ludwigs des Reichen von Bayern-Landshut heiratete, konnte sich Ludwig auch durch ihn auf das fortschrittliche Herzogtum stützen, dessen Inhaber sich gerne mit Kräften aus der Pfalz verbanden.
Ludwig III. residierte außer in Heidelberg gerne auch in Amberg. Bereits 1411 erkannten der Markgraf Bernhard von Baden und das Kloster Maulbronn seine Persönlichkeit und seine Position als Pfälzer Kurfürst an, als sie ihn in einem Streit zum Schiedsrichter machten. Ludwig stützte sich bei der Entscheidung auf seine bereits sehr zahlreichen Räte, die er für seine Regierungsarbeit einschaltete, aber zog auch noch andere als Räte für das Schiedsgericht und überhaupt als Räte bei. Im allgemeinen arbeitete er als Kurfürst mit 30 Räten; obwohl andere Fürsten immer weniger Geistliche in ihren Rat holten, setzte Ludwig III. seinen Rat zur Hälfte aus Juristen des geistlichen und weltlichen Rechts zusammen, die auch ein Hofamt innehaben oder Heidelberger Universitatsprofessoren sein konnten. In die andere Haifte des Rates berief Ludwig III. auch seine Brüder Stefan und Otto und reichsunmittelbare Fürsten wie den Bischof Hraban von Speyer, den Kanzler schon seines Vaters, oder den Doktor beider Rechte, Job Vener, einen der wichtigsten Diplomaten König Ruprechts.

Große Aufgaben wurden Ludwig gestellt, der sich für die Anerkennung des Luxemburger Königs Sigismund im Reich entschieden hatte. Dieser erkannte die hausgesetzlichen Regelungen von Ludwigs Vater die Kraft von im Reich gültigen Gesetzen zu. Seit 1415 hatte Ludwig als Stellvertreter des Reichsoberhauptes und als Reichsrichter die richterlich-polizeiliche Gewalt über das Konzil von Konstanz auszuüben. Er bekam den geflohenen Gegenpapst Johannes XXIII. als Gefangenen übergeben und verwahrte ihn in Heidelberg, später auf der Burg Rheinhausen bei Mannheim. Als Reichsrichter vollstreckte er an Hus die Befehle des Reichsoberhauptes und ließ ihn verbrennen. Selbständig beteiligte er sich an den Verhandlungen, durch die sich der römische Papst Gregor XII. zur Abdankung bewegen ließ.

Über all dem nahm Ludwig III. mit Umsicht die Regierungsarbeit als Landesherr wahr. Er entwickelte die schriftliche Exekutive, als er nicht weniger als sechs Sachregister für die Regierungsaufgaben anlegen ließ. Dabei unterstützte ihn als Protonotar Johann von Winheim, der das Testament seines Vaters geschrieben hatte. Das Vertrauen zu Ludwig wuchs derart, daß er mit den anderen Kurfürsten am Rhein im Dezember 1417 das geprägte Geld kontrollieren konnte und dadurch für alle Kreise der Bevölkerung eindeutige Zahlungsmittel erreichte. Außenpolitisch verband er sich mit seinem Schwager König Heinrich V. von England, der sich seit 1415 militärisch und politisch gegen Frankreich durchsetzte. Da seine englische Gattin schon 1409 gestorben war, führte Ludwig am 30. November 1417 in Pignerol Mechthild, die Tochter des Grafen Amadeus von Savoyen und Fürsten von Achaja, heim. Ihre große Mitgift von 6o.ooo Gulden verpflichtete ihn, ihr Besitzungen von einem Jahresertrag von 3000 Gulden zuzuweisen. Unter den sechs Kindern, die sie ihm schenkte, waren auch die spateren Kurfürsten Ludwig IV. und Friedrich 1. der Siegreiche, einer der bedeutendsten Baumeister am Pfälzer Landesfürstentum. Zunächst führte Ludwig seinen ältesten Sohn Ruprecht in die Regierungsgeschäfte ein. Als dieser am 5. Mai 1426 starb, war er über den Tod dieses hoffnungsvollen Sohnes, der Ruprecht der Engländer genannt wurde, so erschüttert, daß er sich vornahm, ins Heilige Land zu ziehen. Bevor er diesen Vorsatz ausführte, schloß er aber am 5. Oktober 1427 mit seinem jüngsten Bruder Otto, der bis 1430 noch unverheiratet war, einen Vertrag über gegenseitige Beerbung und darüber, daß Otto Vormund seiner Söhne werde, wenn er selbst sterbe. Er band ihn jedoch an seine eigenen Räte, wenn er als sein Stellvertreter wirke. Unter diesen Voraussetzungen zog er ins Heilige Land.

Als er aus Palästina zurückkehrte, hatte sich gegen die Kurpfalz der Markgraf Bernhard von Baden erhoben, der ihn einst als Schiedsrichter in Anspruch
genommen hatte. Ludwig III. verband sich mit den Städten Straßburg, Basel, Freiburg und Breisach und besiegte ihn. Gleichwohl war er damals bereits ein kranker Mann. Der ergraute Heimkehrer ging so stark auf religiöse Anliegen der Öffentlichkeit ein, daß er der »Gottesfromm« oder der »Pfaffentrost« genannt wurde. Die religiösen und die geistigen Kräfte zu fördern war zweifellos schon früh sein Anliegen. An der Universität kam es ihm darauf an, daß die Fächer der theologischen, der philosophischen und der juristischen Fakultät gefördert wurden und nicht Professoren schlechthin belohnt würden. 1413 führte er die vom Vater begonnene Umwandlung der Heiliggeistkirche in ein Kollegiatstift für vierzehn Mitglieder der Universität zu Ende. 1421 vermachte er seine eigenen Bücher der Universität zum freien Gebrauch für die Studenten. Auf seinem Schloß auf dem Jettenbühel verwahrte er kostbare Handschriften. Beide Büchersammlungen wuchsen durch Ankäufe seiner Nachfolger zur großartigen »Bibliotheca Palatina« des 16. Jahrhunderts.

Seit 1430 erblindete Ludwig mehr und mehr. Dieses furchtbare Schicksal zwang ihn, seinen Bruder Otto schrittweise zum Regenten zu machen. Er band ihn bei allen wichtigen Entscheidungen aber an das Gremium des Rates. Otto fügte sich dieser Forderung freilich nicht immer. Ludwig bestimmte deshalb, daß der Bruder stets mindestens zwei der Räte in seiner Umgebung haben müsse. Ludwig verhalf 1430 noch dem bewährten Mitarbeiter Fürstbischof Hraban von Speyer dazu, Kurfürst von Trier zu werden.

Sein eigener Lebensweg wurde zur Tragödie. Am 9. Juni 1435 nahmen ihm Otto, seine eigene Frau und 25 Räte die Regierung ab und übernahmen seine Herrschaft. Dazu gaben sie an, die Zustimmung Bischof Hrahans zu haben. Ludwig III. erwarb eben damals noch Oggersheim für die Kurpfalz. Er starb am 30. Dezember 1436 und wurde in der Heiliggeistkirche in Heidelberg beigesetzt, wo ein Grabstein im Chor an ihn erinnert. Dort wurde 1438 auch seine Gattin, als sie in Germersheim gestorben war, zur Ruhe gebettet.


Bild von Ludwig III. Kurfürst von der Pfalz

Abbildungen im Text: Bayerisches Hauptstaatsarchiv — Geheimes Hausarchiv - München.
Veröffentlichung mit Genehmigung S. K. H. Herzog Albrecht von Bayern. [Jetziger Chef des Hauses Bayern: Herzog Franz von Bayern]

Die Karten auf dem Vor- und Nachsatz wurden freundlicherweise vom Wittelsbacher Ausgleichsfond, Schloß Nymphenburg, München, zur Verfügung gestellt.
 
 

© Verlag Styria, Graz/ Wien/Köln 1986
© für diese Ausgabe Heinrich Hugendubel Verlag. Kreuzungen 2000
Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Zembsch‘ Werkstatt, München
Druck und Bindung: Gorenjski tisk
Printed in Slovenia

ISBN 3-7205-2103-6


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Änderungsstand: 14-Feb-2010 16:15
Heinz Wember Augsburg